Pflege auf dem Prüfstand

Diakonie-Sozialstation Mannheim zieht Bilanz zur Aktionswoche Pflege

Wie gut es um die Pflege in Deutschland steht, beschäftigt bereits seit Jahrzehnten Politik und Gesellschaft: Die bundesweite Aktionswoche des Internationalen Tages der Pflege der Diakonie Deutschland (7. bis 12. Mai 2018) greift auch die Diakonie-Sozialstation Mannheim auf, um auf die zunehmend schwierige finanzielle Lage der Träger in Baden-Württemberg aufmerksam zu machen. Eine Attraktivität zum Beruf Pflege gewänne man nur durch bessere Rahmenbedingungen. Lob und Wertschätzung spricht die Diakonie-Sozialstation Mannheim deshalb gegenüber ihren Pflegekräften aus. Sie setzt auf Anerkennung und gesellschaftliche Aufwertung von Pflegeberufen.

Faire Entlohnung steht vor Gewinnmaximierung

„Die kirchlichen Sozialstationen, die in den vergangenen 40 Jahren die Versorgungsstruktur im Land und in der Stadt aufgebaut und über weite Strecken allein getragen haben, geraten finanziell immer mehr unter Druck“, konstatiert Helmut Bühler, Geschäftsführer der Diakonie-Sozialstation Mannheim. Ihre Leistungen, die sie in der häuslichen Pflege für alte und kranke Menschen erbringt, würden von den Kranken- und Pflegekassen nicht angemessen und ausreichend bezahlt werden. „Seit Jahren deckt die Refinanzierung der Kassen nicht einmal mehr die Tariferhöhungen. Einige Sozialstationen, die ihre Mitarbeitenden angemessen tariflich entlohnen, haben einen Teil ihrer Angebote bereits einstellen müssen, um überhaupt bestehen zu können“, so Bühler weiter.
Die Diakonie-Sozialstation Mannheim fordert deshalb von den Kassen eine volle Refinanzierung der tarifbedingten Kostensteigerung der ambulanten Pflegedienste. Denn vorrangiges Ziel sollte sein, motivierte, qualifizierte und fair entlohnte Mitarbeitende zu beschäftigen, die den Menschen und das Wohl in den Mittelpunkt rücken. Eine Profitmaximierung der Pflegeeinrichtungen geht zulasten von Pflegekräften und Pflegebedürftigen.

Menschlichkeit vor Bürokratie

Ein zusätzlicher kosten- und ressourcenbindender Faktor ist die zunehmende Bürokratisierung. Die Dokumentation, insbesondere das Ausfüllen von Formularen oder die Bereitstellung von Daten belaufen sich laut statistischem Bundesamt von 2012 auf rund 40 Prozent der Arbeitszeit einer Pflegekraft. „Diese Zeit fehlt wiederum für Zuwendung am Patienten“, wie eine Pflegekraft der Diakonie-Sozialstation Mannheim berichtet. „Ich sehe täglich, wie wichtig ernsthafte Empathie, Konversation und Nähe beim persönlichen Besuch sind  – der Mensch sollte im Mittelpunkt stehen.“

Mit ihrem ambulanten Pflegeangebot leistet die Diakonie-Sozialstation Mannheim ein bedarfsorientiertes und vollumfängliches Unterstützungsangebot nahe beim Menschen. Als „Koordinatorin“ zwischen den einzelnen Akteuren wie beispielsweise den Krankenhaussozialdiensten oder Hausärzten leistet sie gemeinsam mit der hauswirtschaftlichen Versorgung der Nachbarschaftshilfe Hilfe über das übliche Maß der medizinischen und pflegerischen Grundversorgung hinaus.

Insgesamt sind in Mannheim laut Statistischen Bundesamt derzeit über 10.321 Menschen pflegebedürftig. 1.904 davon werden ambulant über Pflegedienste versorgt, 450 über die Diakonie-Sozialstation Mannheim. In Mannheim sind bei der Evangelischen Kirche 62 hauptamtliche Pflegefachkräfte für mehr als 450 Pflegebedürftige tätig. Über die organisierte Nachbarschaftshilfe, in der 260 Helfende aktiv sind, werden mehr als 950 Menschen im Monat betreut. Bundesweit unterstützt die Diakonie rund 153.000 hauptamtlich Mitarbeitende, 1.750 ambulante Pflegedienste und Beratungsstellen und 2.755 Pflegeheime. (JeLa)